Homöopathie – den Prozess verstehen
Ravi Roy über seinen Zugang zur Homöopathie
Für mich ist Krankheit nicht nur ein Zustand, der sich in einzelnen Symptomen zeigt. Sie ist ein Prozess, und um diesen Prozess zu verstehen, brauche ich Details.
Wann begann etwas? Was war vorher? Was kam später hinzu? Welche Beschwerden verschwanden wieder, welche veränderten sich? Was geschah nach einer Behandlung, nach einer Erkrankung oder nach einer einschneidenden Veränderung?
Erst im Verlauf können Zusammenhänge sichtbar werden, die in einer Momentaufnahme verborgen bleiben.
Ähnlich betrachte ich die homöopathischen Arzneimittel. Ein Arzneimittelbild ist für mich keine Liste einzelner Symptome, die man auswendig lernt. Mich interessiert, was diese Erscheinungen miteinander verbindet, welches Wesen sich darin zeigt und wodurch sich ein Mittel von einem scheinbar ähnlichen unterscheidet.
Deshalb stelle ich viele Fragen. Nicht jedes Detail ist am Ende wichtig. Aber um das Wesentliche erkennen zu können, muss man zunächst verstehen, wie sich der gesamte Fall entwickelt hat.
Diese Art der Betrachtung prägt seit Jahrzehnten meine Beschäftigung mit der Homöopathie und auch meine Arbeit als Autor und Lehrer. Meine medizinische und homöopathische Ausbildung erhielt ich in Indien; in Deutschland liegt mein Schwerpunkt auf der Vermittlung homöopathischen Wissens, Ausbildung, Seminaren, Fallarbeit und Supervision.
Dabei möchte ich keine fertigen Antworten vorgeben. Mir ist wichtiger, dass ein Lernender oder Therapeut irgendwann selbst erkennt, welche Frage noch fehlt, welche Information wesentlich ist und wo genauer hingesehen werden muss.
Homöopathie bedeutet für mich deshalb nicht, möglichst viele Symptome und Mittel zu kennen. Es bedeutet, Zusammenhänge zu erkennen.